Wenn die Kirche ihr Fundament verlässt: Warum Relevanz mit Wahrheit beginnt!

Kir­chen lee­ren sich, Aus­trit­te häu­fen sich. Vie­le reagie­ren mit Anpas­sung an den Zeit­geist. Doch die Lösung liegt nicht in Belie­big­keit, son­dern in der Rück­kehr zum bibli­schen Wort. Rele­vanz ent­steht dort, wo Wahr­heit ver­kün­digt wird.

Es ist eine Zahl, die auf­hor­chen lässt: Über 43 Pro­zent der Men­schen in Deutsch­land gehö­ren kei­ner Kon­fes­si­on mehr an. Die Kir­chen­aus­trit­te errei­chen Rekord­hö­hen, und selbst unter den ver­blei­ben­den Mit­glie­dern neigt eine Mehr­heit dazu, den Insti­tu­tio­nen den Rücken zu keh­ren. Die Kri­se der Kir­che ist nicht mehr zu über­se­hen. Doch wo lie­gen die Ursa­chen? Und vor allem: Wie kann die Kir­che wie­der rele­vant wer­den für eine Gesell­schaft, die ihr zuneh­mend gleich­gül­tig gegen­über­steht?

Die gän­gi­ge Ant­wort lau­tet oft: Anpas­sung. Kir­che müs­se zeit­ge­mä­ßer wer­den, sich den Trends öff­nen, moder­ne Spra­che spre­chen und gesell­schaft­li­che Strö­mun­gen auf­grei­fen. So ver­ständ­lich die­ser Reflex auch ist, er führt in eine Sack­gas­se. Denn Rele­vanz ent­steht nicht durch Ver­wäs­se­rung, son­dern durch Klar­heit. Men­schen suchen nicht nach einer Insti­tu­ti­on, die ihnen nach dem Mund redet, son­dern nach einer Bot­schaft, die Ori­en­tie­rung gibt. Und die­se Ori­en­tie­rung kann die Kir­che nur aus einer Quel­le schöp­fen: dem Wort Got­tes.

Der Apos­tel Pau­lus schreibt in sei­nem zwei­ten Brief an Timo­theus: „Denn alle Schrift, von Gott ein­ge­ge­ben, ist nüt­ze zur Leh­re, zur Zurecht­wei­sung, zur Bes­se­rung, zur Erzie­hung in der Gerech­tig­keit, dass der Mensch Got­tes voll­kom­men sei, zu allem guten Werk geschickt” (2. Timo­theus 3,16–17). Die­se Ver­se sind mehr als eine from­me Flos­kel. Sie beschrei­ben das Fun­da­ment geist­li­cher Auto­ri­tät. Die Schrift ist nicht eine unter vie­len Quel­len, son­dern die von Gott ein­ge­ge­be­ne, ver­bind­li­che Grund­la­ge für Leh­re und Leben. Und wo die Kir­che die­ses Fun­da­ment ver­lässt, ver­liert sie ihre Auto­ri­tät und damit ihre Rele­vanz.

Was bedeu­tet es, dass die Hei­li­ge Schrift von Gott ein­ge­ge­ben ist? Es bedeu­tet, dass sie nicht Men­schen­wort ist, das belie­big ange­passt oder rela­ti­viert wer­den kann. Die Bibel ist Got­tes Selbst­of­fen­ba­rung, sein Reden in die Welt hin­ein. Sie ist nüt­ze zur Leh­re, das heißt, sie gibt die Wahr­heit über Gott, den Men­schen und die Welt wie­der. Sie ist nüt­ze zur Zurecht­wei­sung, weil sie Maß­stä­be setzt und Sün­de beim Namen nennt. Sie ist nüt­ze zur Bes­se­rung und Erzie­hung in der Gerech­tig­keit, weil sie nicht beim Auf­de­cken von Feh­lern ste­hen bleibt, son­dern den Weg zur Umkehr und zum Leben nach Got­tes Wil­len zeigt. Wer die Schrift ernst nimmt, wird aus­ge­rüs­tet zu jedem guten Werk. Das ist die Ver­hei­ßung.

Doch genau hier liegt die Her­aus­for­de­rung unse­rer Zeit. Vie­le Kir­chen haben begon­nen, die Schrift nicht mehr als ver­bind­li­che Auto­ri­tät zu behan­deln, son­dern als his­to­ri­sches Doku­ment, das gedeu­tet, hin­ter­fragt und den jewei­li­gen Zeit­um­stän­den ange­passt wer­den muss. Ethi­sche Fra­gen wer­den nicht mehr aus der Bibel her­aus beant­wor­tet, son­dern aus gesell­schaft­li­chen Mehr­heits­mei­nun­gen. Unbe­que­me Wahr­hei­ten wer­den ver­schwie­gen oder umge­deu­tet. Die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums, die von Sün­de und Erlö­sung spricht, wird ver­wäs­sert zu einer all­ge­mei­nen Bot­schaft von Tole­ranz und Wohl­füh­len. Das Ergeb­nis: Die Kir­che ver­liert ihre Kon­tu­ren und wird aus­tausch­bar.

Jesus selbst warnt vor die­ser Gefahr. In der Berg­pre­digt sagt er: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man sal­zen? Es ist zu nichts mehr nüt­ze, als dass man es weg­schüt­tet und lässt es von den Leu­ten zer­tre­ten” (Mat­thä­us 5,13). Salz hat eine kla­re Funk­ti­on: Es bewahrt, es würzt, es setzt Akzen­te. Salz, das sei­ne Funk­ti­on ver­liert, wird wert­los. Genau­so ver­hält es sich mit der Kir­che. Wenn sie ihre kla­re, bibli­sche Bot­schaft auf­gibt, wird sie bedeu­tungs­los. Men­schen spü­ren, ob eine Bot­schaft Sub­stanz hat oder nur hoh­le Anpas­sung ist.

Die Gefahr, sich nach Trends zu rich­ten statt nach Chris­tus, ist nicht neu. Bereits die Pro­phe­ten des Alten Tes­ta­ments muss­ten gegen fal­sche Pro­phe­ten ankämp­fen, die dem Volk nach dem Mund rede­ten und Frie­den ver­kün­de­ten, wo kein Frie­de war. Der Pro­phet Jere­mia klagt: „Von den Pro­phe­ten zu Jeru­sa­lem geht Gott­lo­sig­keit aus ins gan­ze Land. So spricht der Herr Zebaoth: Hört nicht auf die Wor­te der Pro­phe­ten, die euch weis­sa­gen! Sie betrü­gen euch, denn sie ver­kün­den euch Gesich­te aus ihrem Her­zen und nicht aus dem Mund des Herrn” (Jere­mia 23,15–16). Die­se fal­schen Pro­phe­ten spra­chen nicht im Auf­trag Got­tes, son­dern aus eige­nem Antrieb, aus dem Wunsch her­aus, beliebt zu sein und Kon­flikt zu ver­mei­den. Doch ihre Bot­schaft führ­te das Volk in die Irre.

Das glei­che Mus­ter zeigt sich heu­te. Kir­chen, die sich dem Zeit­geist unter­wer­fen, mögen kurz­fris­tig Bei­fall erhal­ten, aber sie ver­lie­ren lang­fris­tig ihre Glaub­wür­dig­keit. Denn die Men­schen spü­ren: Hier wird nicht im Namen Got­tes gespro­chen, son­dern im Namen gesell­schaft­li­cher Kon­ven­tio­nen. Was die Welt aber braucht, ist nicht ein Echo ihrer eige­nen Stim­me, son­dern eine Stim­me, die anders spricht, die Wahr­heit ver­kün­det, auch wenn die­se unbe­quem ist.

Dabei geht es nicht um Här­te oder Lieb­lo­sig­keit. Jesus selbst ist das bes­te Bei­spiel dafür, wie Wahr­heit und Lie­be zusam­men­ge­hö­ren. Er hat die Sün­de klar benannt und zugleich die Sün­der mit unend­li­cher Lie­be ange­nom­men. Er hat nicht die Wahr­heit ver­wäs­sert, um Men­schen zu gefal­len, aber er hat sie auch nie als Keu­le benutzt, um Men­schen zu ver­ur­tei­len. Sein Ziel war immer die Ret­tung, nicht die Ver­ur­tei­lung. Im Johan­nes­evan­ge­li­um heißt es: „Denn Gott hat sei­nen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt rich­te, son­dern dass die Welt durch ihn geret­tet wer­de” (Johan­nes 3,17). Die­se Balan­ce zwi­schen Wahr­heit und Gna­de ist das, was die Kir­che heu­te braucht.

Inter­es­san­ter­wei­se zeigt die Geschich­te, dass Kir­chen gera­de dann rele­vant wur­den, wenn sie klar und ver­bind­lich auf­tra­ten. Die Refor­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert ist dafür ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel. Mar­tin Luther stell­te sich gegen einen jahr­hun­der­te­al­ten kirch­li­chen Appa­rat und berief sich dabei allein auf die Schrift. Sei­ne The­se „Sola Scrip­tu­ra”allein die Schrift – war radi­kal und pro­vo­zie­rend. Doch genau die­se Klar­heit war es, die Men­schen anzog. Sie sehn­ten sich nach Wahr­heit, nach einem Fun­da­ment, auf dem sie ste­hen konn­ten. Luther bot ihnen nicht Anpas­sung, son­dern Ori­en­tie­rung.

Auch der Apos­tel Pau­lus wuss­te um die Gefahr der Anpas­sung. In sei­nem Brief an die Römer schreibt er: „Und stellt euch nicht die­ser Welt gleich, son­dern ändert euch durch Erneue­rung eures Sin­nes, damit ihr prü­fen könnt, was Got­tes Wil­le ist, näm­lich das Gute und Wohl­ge­fäl­li­ge und Voll­kom­me­ne” (Römer 12,2). Pau­lus for­dert die Gemein­de auf, sich nicht dem Druck der Umge­bung zu beu­gen, son­dern sich an Got­tes Maß­stä­ben zu ori­en­tie­ren. Die­se Erneue­rung des Sin­nes geschieht nicht durch Anpas­sung an die Welt, son­dern durch die Aus­rich­tung auf Got­tes Wort.

Die Sehn­sucht der Men­schen nach Klar­heit ist heu­te grö­ßer denn je. In einer Zeit, in der Wahr­heit zuneh­mend als rela­tiv gilt und jede Mei­nung gleich­be­rech­tigt zu sein scheint, suchen vie­le nach fes­ten Anker­punk­ten. Sie wol­len wis­sen: Was ist wahr? Was ist rich­tig? Wor­auf kann ich mich ver­las­sen? Die Kir­che könn­te die­se Fra­gen beant­wor­ten, wenn sie mutig zur Hei­li­gen Schrift steht. Doch zu oft wird statt­des­sen ein vages Sowohl-als-auch ange­bo­ten, das nie­man­den wirk­lich über­zeugt.

Der Psal­mist bringt die Bedeu­tung von Got­tes Wort auf den Punkt: „Dein Wort ist mei­nes Fußes Leuch­te und ein Licht auf mei­nem Wege” (Psalm 119,105). Das Wort Got­tes gibt Ori­en­tie­rung in der Dun­kel­heit, es zeigt den Weg, es ver­hin­dert, dass wir strau­cheln. Wo die Kir­che die­ses Licht ver­birgt oder ver­dun­kelt, lässt sie die Men­schen im Dun­keln ste­hen. Wo sie es aber hoch­hält, wird sie zum Leucht­turm in einer ver­wirr­ten Welt.

Die Rück­kehr zur Hei­li­gen Schrift bedeu­tet nicht, dass die Kir­che welt­fremd oder unzeit­ge­mäß wer­den muss. Im Gegen­teil: Die Bibel spricht in jede Zeit hin­ein, weil sie die zeit­lo­sen Fra­gen des Mensch­seins behan­delt. Schuld und Ver­ge­bung, Sinn und Hoff­nung, Leben und Tod – das sind The­men, die Men­schen heu­te genau­so bewe­gen wie vor 2000 Jah­ren. Die Ant­wor­ten der Schrift sind nicht ver­al­tet, sie sind hoch aktu­ell, weil sie auf die Fra­gen ant­wor­ten, die wirk­lich zäh­len.

Kir­che wird rele­vant, wenn sie wie­der biblisch ver­läss­lich wird. Wenn sie auf­hört, dem Zeit­geist hin­ter­her­zu­lau­fen, und statt­des­sen mutig die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums ver­kün­det. Wenn sie nicht mehr fragt „Was wol­len die Men­schen hören?”, son­dern „Was sagt Gott?”. Das ist kei­ne Flucht in den Fun­da­men­ta­lis­mus, son­dern eine Rück­be­sin­nung auf das Fun­da­ment, auf dem die Kir­che steht: Jesus Chris­tus und sein Wort.

Der Apos­tel Pau­lus ermahnt Timo­theus ein­dring­lich: „Pre­di­ge das Wort, ste­he dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; wei­se zurecht, dro­he, ermah­ne mit aller Geduld und Leh­re. Denn es wird eine Zeit kom­men, da sie die heil­sa­me Leh­re nicht ertra­gen wer­den; son­dern nach ihren eige­nen Gelüs­ten wer­den sie sich selbst Leh­rer auf­la­den, nach denen ihnen die Ohren jucken, und wer­den die Ohren von der Wahr­heit abwen­den und sich den Fabeln zukeh­ren” (2. Timo­theus 4,2–4). Die­se War­nung ist heu­te aktu­el­ler denn je. Die Ver­su­chung ist groß, den Men­schen das zu sagen, was sie hören wol­len, statt das, was sie hören müs­sen. Doch genau das führt in die Irrele­vanz.

Die Fra­ge ist nicht, ob die Kir­che über­le­ben wird. Die Fra­ge ist, ob sie ihrer Beru­fung treu bleibt. Jesus hat ver­spro­chen: „Ich will mei­ne Gemein­de bau­en, und die Pfor­ten der Höl­le sol­len sie nicht über­wäl­ti­gen” (Mat­thä­us 16,18). Die Gemein­de Jesu hat Zukunft, nicht weil sie sich geschickt anpasst, son­dern weil Chris­tus ihr Fun­da­ment ist. Kir­chen, die die­sem Fun­da­ment treu blei­ben, wer­den auch in Zukunft Men­schen errei­chen und prä­gen.

Die Rück­kehr zum Wort ist kei­ne nost­al­gi­sche Rück­wärts­ge­wandt­heit, son­dern der ein­zi­ge Weg nach vorn. Denn nur wer weiß, wo er steht, kann auch wis­sen, wohin er geht. Die Kir­che steht auf dem Fun­da­ment der Apos­tel und Pro­phe­ten, und Jesus Chris­tus ist der Eck­stein (Ephe­ser 2,20). Von die­sem Fun­da­ment aus kann sie mutig in die Gegen­wart spre­chen, ohne sich ihr anzu­bie­dern. Sie kann Men­schen mit der Wahr­heit kon­fron­tie­ren und ihnen zugleich die Gna­de anbie­ten. Sie kann rele­vant sein, ohne belie­big zu wer­den.

Dar­um braucht die Kir­che heu­te Män­ner und Frau­en, die sich nicht scheu­en, wie­der neu auf das zu hören, was Gott spricht. Men­schen, die bereit sind, sich unter die Auto­ri­tät der Schrift zu stel­len und ihr Leben danach aus­zu­rich­ten. Eine Kir­che, die sich von sol­chen Men­schen tra­gen lässt, wird nicht starr oder rück­wärts­ge­wandt sein, son­dern leben­dig, weil Got­tes Wort leben­dig ist. Sie wird nicht aus eige­ner Kraft rele­vant, son­dern weil Gott selbst durch sein Wort wirkt, trös­tet, über­führt, erneu­ert und auf­rich­tet. Wo die Gemein­de sich die­sem Wir­ken öff­net, ent­steht geist­li­che Kraft – nicht durch Pro­gram­me und lan­gen Debat­ten, son­dern durch Gehor­sam; nicht durch Anpas­sung, son­dern durch Treue.

„Und der Frie­de Got­tes, der höher ist als alle Ver­nunft, wird eure Her­zen und Sin­ne bewah­ren in Chris­tus Jesus” (Phil­ip­per 4,7). Amen.

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B.Beck writes for BibelBlogger.

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